Legen Sie gemeinsam mit Geschäftsleitung, Fachverantwortlichen und IT-Dienstleister fest, welche Tätigkeiten zuerst wieder möglich sein müssen. Erstellen Sie daraus eine Wiederanlauf-Reihenfolge, statt lediglich eine Liste ausgefallener Geräte abzuarbeiten. Klären Sie zugleich, wer Prioritäten entscheidet, technische Arbeiten koordiniert und Mitarbeitende sowie Kunden informiert.
Geschäftskritisch ist, was Ihre wichtigsten Tätigkeiten ermöglicht
Die Cybersicherheits- und Resilienzmethode des Bundesamts für Cybersicherheit BACS beginnt bei den wichtigen Tätigkeiten und Geschäftsprozessen. Erst danach werden die dafür benötigten Informatikmittel und ihr Schutzbedarf betrachtet. Diesen prozessorientierten Ansatz können Sie als Grundlage für Ihre Notfallvorsorge nutzen.
Fragen Sie deshalb nicht nur, welche Anwendung besonders häufig verwendet wird. Prüfen Sie vielmehr, welche Arbeit ohne sie nicht mehr möglich ist und welche anderen Dienste dafür ebenfalls benötigt werden.
Besprechen Sie für jeden wichtigen Geschäftsprozess:
- Welche Tätigkeit muss bei einem Ausfall vorrangig wieder möglich sein?
- Welche Anwendungen, Daten und externen Dienste werden dafür benötigt?
- Welche anderen Systeme müssen zuvor verfügbar sein?
- Wer beurteilt aus fachlicher Sicht, ob die Tätigkeit wieder ausgeführt werden kann?
Behandeln Sie auch Ihre Website nach diesem Massstab. Prüfen Sie beispielsweise, ob sie für die Auftragsannahme benötigt wird oder vor allem Informationen bereitstellt. Die Bedeutung für Ihren Betrieb sollte über ihre Priorität entscheiden, nicht allein ihre öffentliche Sichtbarkeit.
Die Wiederanlauf-Reihenfolge muss Abhängigkeiten berücksichtigen
Das BACS beschreibt ein prioritätsgesteuertes Vorgehen als mögliche praktische Herangehensweise. Gleichzeitig weist es darauf hin, dass Informatikmittel miteinander verbunden sind und ihre Abhängigkeiten berücksichtigt werden müssen. Eine geschäftlich wichtige Anwendung sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden.
Nutzen Sie die folgende Tabelle als auszufüllende Arbeitsvorlage. Die Reihenfolge ist ein Vorschlag zur Strukturierung, keine allgemeingültige technische Wiederherstellungsanleitung.
| Einordnung | Was Sie festlegen sollten | Vorgeschlagene Zuständigkeit |
|---|---|---|
| Voraussetzungen | Welche Dienste braucht der wichtigste Geschäftsprozess zwingend? | IT-Verantwortliche mit Dienstleister |
| Erste Priorität | Welche zentrale Tätigkeit soll zuerst wieder möglich sein? | Geschäftsleitung mit Fachverantwortlichen |
| Weitere Prioritäten | Welche Tätigkeiten folgen, welche können zunächst warten? | Geschäftsleitung mit Fachverantwortlichen |
| Fachliche Prüfung | Woran erkennen Sie, dass die jeweilige Tätigkeit wieder funktioniert? | Verantwortlicher Fachbereich |
| Kommunikation | Wer informiert wen über Einschränkungen und Fortschritte? | Benannte Kommunikationsverantwortliche |
Tragen Sie konkrete Dienstnamen und Ansprechpersonen ein. Lassen Sie Ihren IT-Dienstleister prüfen, ob die gewünschte Reihenfolge technisch zusammenpasst. Unterscheiden Sie dabei geschäftliche Priorität und technische Voraussetzung: Ein unterstützender Dienst kann zuerst benötigt werden, obwohl er selbst keine Kundenaufträge verarbeitet.
Klare Zuständigkeiten gehören vor dem Ausfall in den Plan
Cybersicherheit braucht laut BACS technische und organisatorische Massnahmen, die zusammenspielen. Auch die Zusammenarbeit mit IT-Dienstleistern und Cloud-Anbietern gehört dazu. Beschränken Sie Ihre Vorbereitung deshalb nicht auf technische Aufgaben.
Für Ihren Betrieb bietet sich folgende Rollenaufteilung an:
- Die Geschäftsleitung entscheidet über geschäftliche Prioritäten.
- Eine benannte Koordinationsperson führt Informationen und offene Aufgaben zusammen.
- IT-Verantwortliche und Dienstleister klären technische Abhängigkeiten und Massnahmen.
- Fachverantwortliche beurteilen, ob ihre Arbeitsabläufe wieder nutzbar sind.
- Eine bestimmte Person koordiniert interne und externe Informationen.
Halten Sie zu jeder Rolle eine Stellvertretung und Kontaktmöglichkeiten fest. Klären Sie mit externen Dienstleistern, welche Unterstützung vereinbart ist und wann sie erreichbar sind. Die Kontaktliste sollte Zuständigkeiten nachvollziehbar machen, nicht bloss Firmennamen sammeln.
Im Vorfall müssen Schadenbegrenzung und Wiederanlauf zusammenpassen
Bei einem Cybervorfall sollte die Rückkehr zum Betrieb nicht losgelöst von der Schadenbegrenzung geplant werden. Für einen Datenabfluss nennt das BACS insbesondere die Begrenzung des Schadens, das Schliessen der Sicherheitslücke und das Verhindern weiterer Abflüsse. Stimmen Sie den Wiederanlauf deshalb mit den zuständigen Fachpersonen ab.
Eine organisatorische Schrittfolge zur Orientierung:
- Erfassen Sie, welche Geschäftstätigkeiten und Dienste betroffen sind und was noch unklar ist.
- Aktivieren Sie die vereinbarten Verantwortlichen und beziehen Sie den zuständigen IT-Dienstleister ein.
- Prüfen Sie Ihre vorbereitete Prioritätenliste anhand der tatsächlichen Lage und der technischen Abhängigkeiten.
- Koordinieren Sie Schadenbegrenzung, Wiederanlauf und fachliche Prüfung der betroffenen Tätigkeiten.
- Informieren Sie Mitarbeitende und betroffene Anspruchsgruppen zeitnah und abgestimmt über den gesicherten Stand.
Das BACS betont bei Cyberangriffen eine koordinierte Krisenkommunikation. Benennen Sie deshalb eine verantwortliche Stelle für Informationen und trennen Sie bestätigte Erkenntnisse von offenen Fragen.
Ein personalisierter Notfallplan gibt Orientierung, keine Garantie
Der WPKarma-Notfallplan als personalisierbares PDF kann Ihnen als Orientierung für die Vorbereitung dienen. Er kostet einmalig CHF 89.– zzgl. MwSt. und ist keine garantierte Wiederherstellung. WPKarma ist ein Angebot der onlineKarma AG.
Übertragen Sie Ihre betrieblichen Prioritäten, Zuständigkeiten und Abhängigkeiten in Ihre Notfallunterlagen. Bei organisatorischen Lücken kann der kostenlose Cyber-Check für KMU ergänzend helfen: Er liefert ohne Login eine antwortbasierte Selbsteinschätzung mit Sofortergebnis, keine technische Prüfung oder Phishing-Simulation. Das Ergebnis dient der allgemeinen Orientierung ohne Gewähr.
Was bedeutet das für Ihr KMU?
Bereiten Sie eine abgestimmte Wiederanlauf-Reihenfolge vor, die Geschäftsprozesse, technische Voraussetzungen und Verantwortliche verbindet. Beurteilen Sie Ihre WordPress-Website dabei als Teil des Betriebs, nicht automatisch als erste Priorität. Vereinbaren Sie als nächsten Schritt eine gemeinsame Durchsicht dieser Reihenfolge mit Geschäftsleitung, Fachverantwortlichen und IT-Dienstleister.